Impressum versus Privatsphäre – Wie du aus der Zwickmühle raus kommst


Wenn du in Deutschland geschäftsmäßig ein Online-Angebot betreibst, bist du verpflichtet, ein Impressum anzugeben. Wenn du – wie die meisten Let’s Player und Streamer – von zu Hause aus arbeitest, heißt das:

In deinem Impressum muss deine Privatadresse stehen. Gerade als jemand, der in der Öffentlichkeit steht, möchtest du die aber vielleicht geheim halten. Welche Möglichkeiten hast du aus dieser Zwickmühle heraus zu kommen? Dieser Beitrag zeigt es dir.

Impressum: Brauchst du das überhaupt? Und wenn ja, wie?

Die Impressumspflicht schützt uns alle als Verbraucher. Jemand, der online geschäftsmäßig Informationen, Dienstleistungen oder Waren anbietet, muss sagen, wer er ist und wie man ihn erreicht.

Insbesondere wenn Verbraucher im Konfliktfall ein Gericht anrufen wollen, ist es wichtig, dass sie eine ladungsfähige Anschrift der gegnerischen Partei kennen. Sonst kann das Gericht ja gar keinen Kontakt aufnehmen und ihn niemanden vorladen.

Verschiedene Rechtsvorschriften legen genau fest, was du in dein Impressum mit aufnehmen musst. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst, kannst du dich beim Erstellen von einem Impressums-Generator unterstützen lassen. Hier zwei kostenlose Angebote:

Impressum für Facebook, Twitch und YouTube?

Brauchst du denn für das Veröffentlichen auf YouTube oder Twitch überhaupt ein Impressum? Du verdienst doch erst mal nichts damit. Die Einschätzungen hierzu gehen weit auseinander.

Bei einem Let’s Play oder einem Livestream könnte es sich um „journalistische und redaktionelle Inhalte“ handeln. Und die könnten impressumspflichtig sein. Abschließende Gerichtsurteile dazu stehen noch aus.

Spätestens aber, wenn du an irgend einer Stelle Werbung oder Affiliate-/Partnerprogramme einbindest, bezahlte Abonnements (Subs) hast oder Spenden sammelst, wird dein Online-Angebot immer wahrscheinlicher als „geschäftsmäßig“ eingestuft. Dann braucht es sowieso ein Impressum.

Auf der sicheren Seite bist du allemal, wenn du ein Impressum angibst. Das empfehlen auch verschiedene Rechtsanwälte. Hier zum Beispiel Christian Solmecke:

Du hast kein Impressum und meinst auch keins zu brauchen? Was soll schon passieren? Klar: Keiner wird dich dafür ins Gefängnis sperren. Aber du riskierst eine Abmahnung.

Was heißt das jetzt für dein Impressum?

Gehen wir davon aus, du nutzt kein Impressum – oder ein unvollständiges ohne Anschrift. Wenn jemand sich daran stört, dass du dein Online-Angebot nicht ordentlich kennzeichnest, beauftragt er einen Rechtsanwalt, dich abzumahnen.

Wenn er irgendwie Rückschlüsse ziehen kann, wer du bist – etwa über einen Social-Media-Account oder über etwas, was du in deinen Videos oder Streams sagst – kann er dir auch eine Abmahnung schicken. Das geht im Zweifelsfall per E-Mail. Darin weist er dich auf das fehlende oder unvollständige Impressum hin und fordert dich auf, deiner Impressumspflicht nachzukommen. Die Gebühren für eine erfolgreiche Abmahnung zahlst am Ende du –  auch wenn du ihn nie beauftragt hast.

Impressum versus Privatsphäre: Welche Wege gibt es jetzt aus der Zwickmühle?
Impressum versus Privatsphäre: Welche Wege gibt es jetzt aus der Zwickmühle?

Und jetzt? Wege aus der Zwickmühle

Welche Möglichkeiten bleiben dir also in der Zwickmühle zwischen Impressums-Pflicht und Privatsphäre?

1. Der sauere Apfel

Du beißt in den sauren Apfel und vertraust deiner Community, dass da schon keiner unangemeldet vor deiner Tür stehen wird. In dein Impressum nimmst du die Privat-Anschrift auf. Je nachdem, ob du in der Stadt in einem Mehr-Parteien-Haus wohnst, oder auf einem einsamen Gehöft auf dem Land, wird dir diese Entscheidung vermutlich leichter oder schwerer fallen.

2. Augen zu und durch

Wie viele andere Livestreamer und YouTuber spielst du auf Risiko und hoffst, dass es schon keinen stören wird, dass du kein Impressum angibst. Du riskierst dabei eine Abmahnung. Ich habe im Netz zwar keinen dokumentierten Fall gefunden, in dem ein Let’s Player oder Livestreamer wegen eines Impressums-Fehlers auf YouTube oder Twitch abgemahnt worden wäre. Aber vielleicht auch nur, weil sich alle ab einer gewissen Größe um eine rechtlich korrekte Gestaltung ihrer Angebote gekümmert haben.

3. Die Postvollmacht

Du hast zwar kein Büro, aber du kennst jemanden, der in einem Büro oder einer Bürogemeinschaft arbeitet und dort Sendungen für dich entgegennehmen würde? Dann kannst du den Mitarbeitern des Büros eine entsprechende Postvollmacht geben und die Büro-Adresse ins Impressum aufnehmen. Du musst da nicht selbst am Schreibtisch sitzen oder täglich vorbei kommen. Wichtig ist, dass du umgehend benachrichtigt wirst, wenn Post für dich angekommen ist. Dann kannst du das Schreiben dann abholen oder dir zuschicken lassen.

Wenn du niemanden kennst, der dir seine Büro-Adresse zur Verfügung stellen würde, kannst du dir diese Dienstleistung auch kaufen. Es gibt diverse Angeboten von virtuellen Büros, Coworking-Spaces oder Bürogemeinschaften. Die kosten monatlich aber relativ viel. Etwas günstiger sind Angebote wie Adress-Schutz, die sich genau auf diese Dienstleistung beschränken: Post annehmen und den Empfänger benachrichtigen oder ihm den Inhalt des Schreibens zusenden.

 

Takeaways · tl;dr

  • Impressumspflicht ist Verbraucherschutz. Ich weiß, mit wem ich im anonymen Internet zu tun habe.
  • Geschäftsmäßig agierende Let’s Player und Livestreamer müssen ein Impressum angeben.
  • Wenn du kein Büro hast, stünde deine Privatadresse im Impressum.
  • Für das Setzen eines Impressums gibt es klare Regeln.
    • Es muss beispielsweise eine Anschrift enthalten, kein Postfach.
    • Impressum-Generatoren helfen dir, an alles Relevante zu denken.
  • Grenzen zwischen „rein privatem“ und „geschäftsmäßigem“ Angebot sind schnell überschritten.
  • Wer gegen die Impressumspflicht verstößt, kann dafür abgemahnt werden.
  • Drei Wege mit dem Spagat Anschrift versus Privatsphäre umzugehen:
    • Der saure Apfel: Privatadresse nennen
    • Auf Risiko spielen: Abmahnung riskieren
    • Oft nicht kostenlos aber sicher: Postvollmacht erteilen

Quellen und weiterführende Links:

Disclaimer – Keine Rechtsberatung

Ich bin kein Anwalt und gebe hier nur allgemein und im Internet zugängliche Informationen zum Thema wieder. Meine Quellen habe ich oben verlinkt. Wenn du eine rechtssichere Auskunft benötigst, wende dich bitte an einen Anwalt deines Vertrauens.

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